Gestern bei Stermann und Grissemann

Gestern haben Stermann und Grissemann wirklich grausige Witze über die Kinder von der Rosenkranz gemacht. Sie haben sich über ihre germanischen Namen lustig gemacht und Babyfotos mit Hitlerscheitel und -bart gezeigt. Mir ist irgendwie das Lachen gefroren. Man ist nicht so, es verursacht ein ungutes Gefühl.

Heute hat meine Mutter, sie ist achzig, zum ersten Mal in ihrem Leben eine politische Äusserung getan. Ohne Ankündigung, ohne Vorzeichen, ohne wirklichen Anlass, hat sie gemeint, dass es wieder immer mehr Nazis gibt und dass es unglaublich wäre, dass diese Leute nicht gescheiter werden. Dann hat sie gesagt, dass man denen ihre Angehörigen auch einmal vergasen sollte, damit sie sehen wie das ist. Vielleicht würden sie dann verstehen, was für Verbrecher das waren.

Mir blieb der Mund offen und die Luft weg. Immerhin war das die erste politische Meldung, die ich seit fünfzig Jahren von meiner Mutter gehört hab, eine Frau, die in der Volksschule diskriminiert wurde, und die wie so Viele, Verwandte verloren hat in den Todeslagern. Sie hat sich immer engagiert, sich immer zurückgehalten, viel zu oft nichts gesagt, war für mich viel zu opportunistisch freundlich. Dieser Satz heute hat sie rehabilitiert, ja, er war überzogen, aber er macht deutlich wie es Überlebenden geht, wenn sie Leute wie Rosenkranz und Konsorten hören. Wie diese Unverbesserlichen in unheilbaren Wunden stochern, blöd, impertinent, ignorant, arrogant. Sich aber bei jeder Gelegenheit larmoyant aufregen, wie sie verfolgt werden, wie ihre Meinung beschnitten wird, dass es eine Kampagne gegen sie gibt und so weiter und so fort.

Der kurze Auszucker meiner Mutter heute hat mir die Augen geöffnet, man muss auf Leute wie Rosenkranz keine Rücksicht nehmen, man muss kein ungutes Gefühl haben, wenn Witze wie bei Stermann und Grissmann, gemacht werden. Was die täglich den Überlebenden und ihren Kindern antun ist um ein Vielfaches grausiger als Witze über die verblödeten germanischen Namen.

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4 Antworten to “Gestern bei Stermann und Grissemann”

  1. Gernot Says:

    Was Sie da schreiben ist abstoßend und widerlich. So bedauernswert das Leben Ihrer Mutter gewesen sein mag: Wenn sie anderen Menschen wünscht, ihre Angehörigen sollen vergast werden, dann ist sie es, die seit damals nicht gescheiter geworden ist.

    Dass einem selbst oder Dritten Unrecht widerfahren ist, rechtfertigt keinesfalls, sich an unschuldigen und wehrlosen abzureagieren.

  2. oren1 Says:

    Spricht der Gernot, fett gepolstert in der Gnade des Nachher-Geborenen. Oder ist er ein Ehemaliger der die Moral entdeckt hat? Lesen, sorgfältig lesen ist auch seine Sache nicht. Ja es ist schlimm wie tief der Schaden sitzt, den die Nazibestien angerichtet haben. Ob bei den Opfern oder bei larmoyanten moraltriefenden Spätgeborenen.

  3. admin Says:

    Das Sie noch nicht die furchtbare politische Entwicklung in Ungarn einer seiner dortigen ernsthaften rechten Bedrohungslage
    in diesem Blog thematisiert haben, möchte ich Sie herzlich einladen einen Blick auf auf mein Forum zu werfen, wobei ich mir meiner politischen und auch eventuellen juristischen Kernaussage durchaus im Klaren bin.
    Bitte halten Sie mich trotz ihrer Kritik an diesem Forum und meiner Moderatorin für nicht blind die wirklich benängstigende rechtsradikale Entwicklungen in Europa und insbesondere in Ungarn folgerichtig einzuschätzen.
    Dagegen ist die Rosenkranz-Wahl eher eine Gute-Nacht Geschichte für gelangweilte Hausfrauen mit Politambitionen.
    Sofern ein Interesse besteht, kann sich jeder zum Mitdiskutieren dort anmelden.

  4. oren1 Says:

    Noch einmal, ich bin nicht daran interessiert in einem Forum zu diskutieren, wo es Moderatoren wie Bacio gibt. Das ist mir zu dumm, zu tief, zu Bassenaartig. Ich bin auch nicht daran interessiert, dass in meinem Blog Werbung für ein solches Forum gemacht wird, deswegen wurde der Link gelöscht.

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