Immer die gleiche Leier

Lassen wir keine Mißverständnisse aufkommen. Sehen wir die Lage, wie sie ist. Ob Zweidrittelmehrheit oder nicht, ob Äthiopen dafür oder dagegen ist, ob Dahomey mitstimmt oder sich der Stimme enthält, ob es „Klärung der territorialen Verhältnisse im Nahen Osten“ heissen wird oder, um Israel einen Gefallen zu tun, „Klärung der regionalen Probleme“, ob so oder so, ob jetzt oder später – die Vereinten Nationen werden beschliessen, dass Israel sich auf die Grenzen vom 5. Juni 1967 zurückzuziehen hat, wenn nicht noch weiter nach hinten. So muss es sein und so wird es sein. Eine Schmach? Eine Schande? Eine erbärmliche Ungerechtigkeit? Gewiss. Aber das ist nun mal der Lauf der Welt. Die Sowjetunion, die sich nach dem Krieg ein Viertel von Rumänien einverleibt hat und ein paar Happen von Polen und der Tschechoslowakei dazu; Polen, das seither einen nicht unbeträchtlichen Teil Deutschlands als Polen bezeichnet; Ägypten, das den Gazastreifen für sich reklamiert; Jordanien, das ohne zu fragen das Westufer des Jordans annektiert hat – sie alle vereinen sich zum großen Entrüstungschor: „Was? Gebietszuwachs durch Krieg? Gibts nicht!“

Und unsere Freunde werden danebenstehen, werden ihre Hände falten und für unser Wohlbefinden beten.

Das Friedenslager, das eine enorme Kriegsmacht ist, wird die öffentliche Meinung – die wir durch unser beharrliches Verlangen, sogar nach einem gewonnen Krieg am Leben bleiben zu wollen, ohnhin schon verärgert haben – in die nüchterne Sprache der Tatsachen überstzen.

„Wenn man uns noch lange provoziert“, brüllt das Friedenslager, „dann reisst uns die Geduld und dann geschehen entsetzliche Dinge. Wir können in unserem heiligen Zorn für nichts garantieren!“

Vor diesen furchterregenden Worten erzittert und verstummt die ganze Welt.

Aus: Pardon wir haben gewonnen. Ephraim Kishon, übersetzt von Friedrich Torberg in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Klingt doch irgendwie aktuell, oder? Abgesehen davon, dass es keine Sowjetunion mehr gibt, dass es keine Tschechoslowakei mehr gibt, keine Berliner Mauer mehr…. der Chor der Entrüsteten, der Chor der vereinigten Antisemiten klingt noch immer irgendwie gleich. Es hat sich nicht viel geändert.

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