Offener Brief an einen Bewohner des Gazastreifens

ZUR SOFORTIGEN VERÖFFENTLICHUNG: 5. Februar 2009

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Offener Brief an einen Bewohner des Gazastreifens

Ich bin der Soldat, der bei Ihnen zu Hause schlief Von Yishai G. (israelischer Reservist)
 
Wiederveröffentlichung mit Erlaubnis von Maariv, Original erschienen am 25. Jänner 2009
 

Hallo,
 
während sich die Welt die Trümmer im Gazastreifen vor Augen führt, kehren Sie in Ihr Haus zurück. Es steht noch. Doch Sie wissen genau, dass jemand während Ihrer Abwesenheit in Ihrem Zuhause war. 

Dieser Jemand bin ich.

Ich habe unzählige Stunden mit der Vorstellung verbracht, wie Sie reagieren, wenn Sie Ihr Haus betreten. Was Sie empfinden, wenn Sie feststellen, dass Soldaten der Israelischen Armee auf Ihren Matratzen geschlafen und Ihre Decken benutzt haben, um sich warm zu halten.

Ich war mir sicher, dass es Ihnen Kummer bereiten und Sie traurig machen würde, und dass Sie die Verletzung eines so privaten Bereichs in Ihrem Leben durch diejenigen, die als Ihre Feinde betrachtet werden, mit Demütigung wahrnehmen. Ich bin überzeugt, dass Sie mir gegenüber einen hemmungslosen Hass empfinden und nicht den geringsten Wunsch hegen, zu hören, was ich zu sagen habe. Gleichzeitig ist es mir jedoch wichtig, meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen, in der Hoffnung auf die geringe Chance, dass Sie mich trotz allem anhören werden. 

Ich habe viele Tage in Ihrem Haus verbracht. Ihre Gegenwart und die Ihrer Familie war überall spürbar. Ich sah die Familienportraits an der Wand und dachte dabei an meine Familie. Ich sah die Parfumflaschen Ihrer Frau auf dem Frisiertisch und dachte dabei an meine Frau. Ich sah das Spielzeug Ihrer Kinder und ihre Englischbücher. Ich sah Ihren Computer und wie Ihr Modem und das drahtlose Telefon neben dem Bildschirm angeschlossen waren, ganz wie bei mir zu Hause.

Trotz der Unordnung, die Sie bei sich zu Hause vorfanden, eine Unordnung, die bei der Durchsuchung nach Sprengstoff und Tunneln entstand (die wir in anderen Häusern auch tatsächlich fanden), möchte ich Sie wissen lassen, dass wir unser Bestes taten, um Ihr Eigentum mit Respekt zu behandeln. Als ich den Computertisch wegschob, habe ich die Kabel herausgezogen und ordentlich auf den Boden gelegt, so wie ich es mit meinem eigenen Computer gemacht hätte. Ich habe sogar den Computer mit einem Stück Stoff abgedeckt, um den Staub fernzuhalten. Ich habe außerdem versucht, die Kleider wieder aufzuhängen, die beim Durchsuchen des Schranks herunter gefallen waren – vielleicht nicht so, wie Sie es getan hätten, aber sorgfältig genug, damit nichts verloren ging. 

Ich weiß, dass die Verwüstung, die Einschusslöcher in Ihren Wänden und die Zerstörung der Nachbarhäuser in Ihrer Umgebung Ihnen meine Beschreibung lächerlich erscheinen lassen. Dennoch bin darauf angewiesen, dass Sie mich verstehen und hoffe, dass Sie Ihren Ärger und Ihre Kritik an die richtige Adresse richten.

Ich habe beschlossen, Ihnen diesen Brief zu schreiben, weil ich mich bei Ihnen zu Hause aufhielt.

Ich nehme an, dass Sie intelligent und gebildet sind und es in Ihrem Haushalt Universitätsstudenten gibt. Ihre Kinder lernen Englisch und Sie haben Internetanschluss. Sie sind nicht blind; Sie wissen, was um Sie herum geschieht.

Aus diesem Grund bin ich sicher, dass Ihnen bekannt ist, dass Raketen des Typs Qassam aus Ihrem Wohnviertel heraus auf Städte und Ortschaften in Israel abgefeuert wurden.

Wie konnten Sie diese wöchentlichen Bombardierungen beobachten und nicht vermuten, dass wir eines Tages sagen: „Genug!“? Haben Sie jemals daran gedacht, dass es falsch sei, Raketen auf unschuldige Zivilisten abzufeuern, die versuchen, ein normales Leben zu führen, ganz so wie Sie auch? Wie lange haben Sie geglaubt würden wir uns ruhig verhalten und nicht reagieren? 

Ich kann hören, wie Sie sagen: „Das bin ich nicht, das ist die Hamas“. Meine Intuition sagt mir, dass Sie nicht zu ihren treuesten Anhängern gehören. Wenn Sie sich die traurige Realität vor Augen führen, in der Ihr Volk lebt, und wenn Sie dabei versuchen, sich nichts vorzumachen oder Ausreden für eine „Besatzung“ zu finden, müssten Sie zu der Schlussfolgerung gelangen, dass Ihr wirklicher Feind die Hamas ist.

Die Wirklichkeit ist so einfach, dass selbst ein Siebenjähriger sie verstehen kann: Israel hat sich aus dem Gazastreifen zurückgezogen, Militärbasen abgebaut und seine Staatsbürger ausgesiedelt. Dennoch haben wir Sie auch weiterhin mit Elektrizität, Wasser und Gütern versorgt (und das weiß ich sehr gut, denn im Verlauf meines Reservedienstes bewachte ich die Grenzübergänge mehr als nur einmal, und sah, wie voll beladene Lastwagen Tag für Tag Güter in einen blockade-freien Gazastreifen lieferten.) Trotz alledem, und aus Gründen, die nicht verständlich sind und jeglicher rationalen Logik entbehren, schoss die Hamas Raketen auf Städte in Israel. Drei Jahre lang haben wir die Zähne zusammengebissen und uns zurückgehalten. Am Ende konnten wir es nicht mehr aushalten und marschierten in den Gazastreifen ein, in Ihre Wohngegend, um diejenigen zu vertreiben, die uns töten wollen. Eine Wirklichkeit, die schmerzhaft, jedoch einfach zu erklären ist.

Wenn Sie mit mir übereinstimmen, dass der Feind die Hamas ist, und dass Ihr Volk aufgrund der Hamas in Not ist, werden Sie auch verstehen, dass der Wandel von innen kommen muss. Ich bin mit dessen bewusst, dass das, was ich sage, leichter zu schreiben als zu tun ist, aber ich sehe keinen anderen Weg. Sie, die Sie mit der Welt in Verbindung stehen und sich um die Ausbildung Ihrer Kinder sorgen, müssen, gemeinsam mit Ihren Freunden, einen zivilen Aufstand gegen die Hamas führen.

Ich schwöre Ihnen, dass, wenn die Einwohner des Gazastreifens damit beschäftigt wären, Straßen zu bauen, Schulen zu errichten und Fabriken sowie kulturelle Institutionen einzurichten, statt sich dem Selbstmitleid, dem Waffenschmuggel und der Schürung des Hasses auf die israelischen Nachbarn hinzugeben, Ihre Häuser jetzt nicht in Trümmern lägen. Wären Ihre Führer nicht korrupt und durch Hass motiviert, dann wäre Ihr Heim auch nicht beschädigt worden. Wenn jemand aufgestanden wäre und gerufen hätte: „Es hat keinen Zweck, Raketen auf eine unschuldige Zivilbevölkerung abzufeuern!“, dann hätte ich nicht als Soldat in Ihrer Küche stehen müssen.

Sie haben kein Geld, sagen Sie mir? Sie haben mehr, als Sie sich vorstellen können.

Selbst bevor die Hamas die Kontrolle über den Gazastreifen an sich riss, zur Zeit von Yasser Arafat, wurden Millionen, wenn nicht gar Milliarden von Dollar, die von der internationalen Gemeinschaft gespendet wurden, zum Kauf von Waffen eingesetzt oder direkt auf die Bankkonten Ihrer politischen Führer eingezahlt. Die Golfstaaten, die Emirate – Ihre Brüder, Ihr Fleisch und Blut – gehören zu den reichsten Nationen der Welt. Wenn es auch nur das geringste Gefühl der Solidarität zwischen den arabischen Nationen gäbe, wenn diese Nationen auch nur das geringste Interesse an einer Rehabilitation des palästinensischen Volkes hätten, dann wäre die Situation eine ganz andere.

Sicher kennen Sie Singapur. Die Landfläche dort ist nicht viel größer als der Gazastreifen und gilt als die am dichtesten besiedelte der Welt. Doch Singapur ist ein erfolgreiches, wohlhabendes und gut geführtes Land. Warum nicht auch bei Ihnen?

Mein Freund, ich würde sie gerne beim Namen nennen, aber ich kann dies nicht öffentlich tun. Ich möchte, dass Sie wissen, dass ich zu 100 % mit dem einverstanden bin, was mein Land unternommen hat, was meine Armee tat und auch was ich tat. Dennoch fühle ich Ihren Schmerz. Die Zerstörung, die Sie in diesem Augenblick in Ihrem Wohnviertel vorfinden, tut mir leid. Auf persönlicher Ebene habe ich getan was ich konnte, um den Schaden bei Ihnen zu Hause so gering wie möglich zu halten.

Meiner Meinung nach haben wir mehr gemeinsam, als Sie sich vorstellen können. Ich bin Zivilist, nicht Soldat, und in meinem normalen Leben habe ich mit dem Militär nichts zu tun. Dennoch bin ich verpflichtet, jedes Mal, wenn wir angegriffen werden, mein Heim zu verlassen, eine Uniform anzuziehen und meine Familie zu beschützen. Ich habe nicht den Wunsch, mich erneut in Uniform in Ihrem Haus auf zu halten und ich wäre glücklich, als Ihr Gast auf Ihrem schönen Balkon sitzen und dabei süßen Tee mit Salbei aus Ihrem Garten trinken zu können.

Der einzige Mensch, der diesen Wunsch Wirklichkeit machen kann, sind Sie. Übernehmen Sie Verantwortung für sich, Ihre Familie, Ihr Volk und übernehmen Sie die Kontrolle Ihres Schicksals. Wie? Das weiß ich nicht. Vielleicht kann man etwas von dem jüdischen Volk lernen, das die schlimmste menschliche Tragödie des 20. Jahrhunderts überlebte und dennoch nicht dem Selbstmitleid verfiel. Statt dessen wurde ein wohlhabendes und blühendes Land aufgebaut. Es ist möglich, und es liegt in Ihren Händen. Ich stehe zur Verfügung, um Ihnen die Hand zu reichen und Sie zu unterstützen.

Aber nur Sie allein können das Rad der Geschichte drehen.

Mit besten Grüßen,

Yishai (Soldat der Reserve)
 

 


TIP ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Presse und die Öffentlichkeit über den Staat Israel zu informieren und Sicherheit, Freiheit und Frieden zu fördern. Die Organisation bietet Journalisten, Führungskräften und Entscheidungsträgern zuverlässige Informationen über den Staat Israel. The Israel Project ist mit keiner Regierung oder Regierungsbehörde verknüpft.  
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